Gedankensplitter 2016

Dezember 2016
Am kommenden Sonntag beginnt die Adventszeit, die Zeit der Besinnung und inneren Einkehr. So jedenfalls sind die Erwartungen vieler Menschen an diese Zeit, die Wirklichkeit sieht allerdings oft anders aus. Die Ursachen dafür vielfältig. Eine davon wird in der nebenstehenden Erzählung beschrieben: Ungeduld, Nicht-abwarten-Können, alles sofort haben zu wollen. Diese Einstellung bringt Unruhe und Hektik mit sich. Das Mädchen Anna ist müde, schläft ein und träumt etwas wunderschönes. Der Traum vermischt sich mit der Gegenwart und verändert diese. Nun müssen wir nicht unbedingt auf einen Traum warten, denn unser Dasein hält viele helfenden Angebote bereit, unser Leben im von uns gewünschten Sinn zu ändern. Die trübe Zeit des November bietet sich an, äußere Aktivitäten zu reduzieren und darüber zu meditieren und nachzudenken, wie die persönliche Adventszeit so organisiert werden kann, dass diese Zeit tatsächlich besinnlich wird und innere Einkehr sich einstellt. Von allein wird es nicht passieren. Wenn wir nicht wieder zum Weihnachtsfest feststellen wollen, dass die Adventszeit so hektisch war wie all die Jahre zuvor, dann müssen wir jetzt den „Zauberengel“ aktivieren. Dieser ist allerdings niemand anderes als der unbedingte Wille, unsere Sehnsucht in die Tat umzusetzen. Viel Erfolg dabei!


November 2016
Gibt man in einer Suchmaschine das Wort „Lösung“ ein, dann kommen als Ergebnis ganz unterschiedliche Bedeutungen: a) Lösen, Auflösung – Bewältigen einer Aufgabe; b) [Sich]lösen – Befreien, Loslösen; c) Auflösen – Annullieren; d) das [Sich]auflösen eines Stoffes in einer Flüssigkeit. Allein diese vielfache Bedeutung eines schlichten Wortes, abhängig vom Zusammenhang, in dem das Wort benutzt wird! Das macht mir bewusst, wie kompliziert erst Berichte unseres menschlichen Zusammenlebens sein müssen! Wie aussagekräftig ist eine Schlagzeile oder eine Nachricht ohne entsprechendes Hintergrundwissen? Nachrichten vermitteln ein erstes Bild darüber, was bei uns und in der Welt passiert. Aber braucht es nicht darüber hinaus die intensive Beschäftigung mit dem, was uns in den Nachrichten präsentiert wird, um diese angemessen beurteilen und einordnen zu können? Ich wünsche uns allen die dafür nötige Einsicht und Zeit. Die jetzt beginnende stille Zeit des November bietet sich dafür sehr gut an.


Oktober 2016
Vor einigen Tagen erzählte mir eine Frau von einer Fernsehsendung, in der es um den Mond ging. Durch die Sendung erfuhr sie, dass ohne den Mond das Leben auf unserer Erde gar nicht möglich wäre. Das Staunen und Wundern darüber bestimmte dann auch unser Gespräch. Und wir merkten ganz schnell, wie sehr wir Menschen mit unserem Denken und Vorstellungsvermögen an eine Grenze kommen, die wir nicht überwinden können. Die Sonne als Voraussetzung für unser Dasein – gut, das wissen wir, aber auch der Mond? Und überhaupt, wie eng die Toleranzgrenzen für Abstände, Geschwindigkeiten, Gravationskräfte im All sind, damit unser Leben hier in der gewohnten Form existieren kann. Und das über riesige Zeiträume und unvorstellbare Ausmaße hinweg. Da bleibt nur das Staunen. Die Ehrfurcht darüber, was für ein großartiges Wunder das Leben auf unserem kleinen Planeten ist. In unserem Gespräch kamen wir an diesem Punkt ganz schnell zur Dankbarkeit und Achtsamkeit gegenüber unserem Dasein. Die engen Toleranzen im Universum garantieren das Leben auf unserer Erde! Wir Menschen verfügen über ein großes Potential, Lebensgrundlagen zu verändern. Wie steht es dabei um die Toleranzen, deren Respektierung durch uns das Leben erhält? Lasst uns staunend darüber ins Gespräch kommen.


September 2016
Gibt es ein Leben ohne wirtschaftliche Interessen? Für uns kaum vorstellbar. Aber es gibt ein solches Leben tatsächlich. Es wird nicht vom Warentausch bestimmt, sondern vom Gabentausch. Mit materiellen Dingen sind die davon geprägten Menschen absolut nicht zu locken. In Amazonien lebt zB. ein solches Volk. Es nennt sich Hiaiti‘ihi – (die Aufrechten). Sie führen ein Leben ohne Zahl und Zeit. „Hüter der Glücksformel“ werden sie genannt, weil der erste Erforscher ihrer Lebensweise sie 2012 „Das glücklichste Volk“ nannte.
Die Menschen dieses Volkes stellen das Unmittelbare in den Mittelpunkt ihrer Aufmerksamkeit. Ihre Lebenssicht kennt keine Abstraktionen – keine Zahlen, keine Begriffe wie links und rechts. Auch keine Häuptlinge, Hierarchien, Rituale, weder Schwüre noch Schmuck. Und damit auch ua. keine Diskriminierung von Frauen oder Kindern.
Sie gehören zu den wenigen nicht-mathematischen Völkern der Welt und erst rechnen heißt wirtschaften – in allen Lebensbereichen!
 nach einem Zeitungsartikel aus der taz


August 2016
Vier unterschiedliche Ansichten der Hauptstraße in Behringen, aufgenommen aber an nur zwei Standorten. Zwei der Fotos zeigen, wie schön unsere Hauptstraße durch den alten Baumbestand ist. Die Bedeutung der Bäume geht aber weit über ihre Schönheit hinaus. Sie spenden Schatten, reinigen die Luft und sind Lebensraum für viele Tiere. Unsere Vorfahren haben die Bäume entlang der Straße gepflanzt, zum Teil sind die abgebildeten Bäume um die 80 – 90 Jahre alt. Und sie werden uns zur Freude noch viele Jahre so stehen, wenn wir mit ihnen sorgfältig umgehen. Zwei der Fotos zeigen, wie kahl und leer unser Ort aussehen würde, wenn die Bäume verschwunden wären. Denkbar zum Beispiel durch Leichtfertigkeit, Gedankenlosigkeit oder kurzfristigem, scheinbarem Vorteil für geplante Bauarbeiten entlang der Straße. Verschwinden würden darüber hinaus auch die für unsere Lebensqualität so wichtigen Funktionen der Bäume. Und das für sehr lange Zeit, denn neu gepflanzte Bäume brauchen viele Jahre, um wieder so prächtig zu werden, wie es viele der Bäume in der Hauptstraße heute sind.
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Juli 2016
Die Hängematte ist ein sehr schöner Ort! Sie steht für Ruhe, Zu-sich-finden, Entspannung, Muße. Es tut so gut, Momente zu genießen, in denen das Leben mit seinen Anforderungen weit weg ist. Und wenn ich die Hängematte dann verlassen kann in der Überzeugung, nicht alle Forderungen an mich um jeden Preis und ständig erfüllen zu müssen, dann wird die Hängematte auch zu einem sehr wichtigen Ort !


Juni 2016
Zum 20. Bildhauersymposium ging es thematisch um „Kinder und/oder Hoffnung“. Wobei sich mir die Frage stellt: Gibt es überhaupt ohne Kinder Hoffnung? Viele Gründe sind es, die ein NEIN als Antwort herausfordern. Einer davon steht im Text aus dem Markusevangelium und ein anderer war sehr eindrücklich beim Kinderprojekt auf dem Symposium zu erleben. Die nebenstehenden Fotos geben einen kleinen Einblick (mehr Fotos unter: jung-kempe.de/wordpress). Zu sehen, mit welcher Begeisterung die Kinder sich an die phantasievolle Gestaltung der Steine gemacht haben, war sehr beeindruckend. Selbst die Schüler einer 8. Klasse, die in einem Alter sind, welches von uns oft als „schwierig“ wahrgenommen wird, haben 3 Stunden ganz intensiv an ihrem Objekt gearbeitet! Vielleicht geben wir ihnen nur zu selten die Gelegenheit, sich völlig frei ihrer Kreativität hinzugeben? Der Bildhauer Hardy Raub hat dies ermöglicht. Und es war toll zu erleben, wie schnell unter einer freundlichen und einander zugewandten Situation eine vertrauensvolle Atmosphäre entsteht. Das Ergebnis wird im Schlosspark als Skulptur zu besichtigen sein.


Mai 2016
Gibt es ein Leben ohne wirtschaftliche Interessen? Für uns kaum vorstellbar. Aber es gibt ein solches Leben tatsächlich. Es wird nicht vom Warentausch bestimmt, sondern vom Gabentausch. Mit materiellen Dingen sind die davon geprägten Menschen absolut nicht zu locken. In Amazonien lebt zB. ein solches Volk. Es nennt sich Hiaiti‘ihi – (die Aufrechten). Sie führen ein Leben ohne Zahl und Zeit. „Hüter der Glücksformel“ werden sie genannt, weil der erste Erforscher ihrer Lebensweise sie 2012 „Das glücklichste Volk“ nannte. Die Menschen dieses Volkes stellen das Unmittelbare in den Mittelpunkt ihrer Aufmerksamkeit. Ihre Lebenssicht kennt keine Abstraktionen – keine Zahlen, keine Begriffe wie links und rechts. Auch keine Häuptlinge, Hierarchien, Rituale, weder Schwüre noch Schmuck. Und damit auch ua. keine Diskriminierung von Frauen oder Kindern. Sie gehören zu den wenigen nicht-mathematischen Völkern der Welt und erst rechnen heißt wirtschaften – in allen Lebensbereichen!

nach einem Zeitungsartikel aus der taz


April 2016

Der Mensch hat dreierlei Wege, klug zu handeln:
erstens durch Nachdenken, das ist der edelste;
zweitens durch Nachahmen, das ist der leichteste;
drittens durch Erfahrung, das ist der bitterste.
Konfuzius (551-479 v. Chr.)

Oben stehender Text wird Konfuzius, einem chinesichem Philosophen zugeschrieben. Gelebt hat er vor 2500 Jahren. Den edlen Weg des Nachdenkens zu gehen und dabei klug zu werden – dieser Weg hat uns wahrlich viel Gutes eingebracht und unser Zusammenleben positiv verändert. Und Bitterkeit ist tatsächlich eine Erfahrung, die uns oft genug klug gemacht hat. Leider passiert es aber immer wieder, dass erfahrene Bitterkeit im Laufe der Zeit verdrängt oder ganz vergessen wird. So erleben wir in diesen Tagen, dass Verhaltensweisen und Denkmuster wieder aufbrechen, die uns in der Vergangenheit ins Elend gestürzt haben und von denen wir darum gehofft hatten, sie seien überwunden. Die Angst vor fremden Kulturen, anderen Lebensweisen und Religionen zB. nimmt derzeit wieder zu. Im Gegenzug allerdings auch das klug machende Nachdenken. Bleibt zu hoffen, dass immer mehr diesen uns edelnden Weg gehen, damit wir in der Zukunft von bitteren Erfahrungen verschont bleiben.


März 2016
Hilfsbereitschaft war das Thema des Vorstellungsgottesdienstes der Konfirmanden 2016. Ist Hilfsbereitschaft uns angeboren oder muss uns diese anerzogen werden – darüber hat eine Konfirmandin recherchiert und uns ihre Erkenntnisse vorgestellt. Für manche sicher überraschend – die Bereitschaft zur Hilfe ist uns tatsächlich in die Wiege gelegt. Wir können dies ja sehr schön an kleinen Kindern beobachten, die gern und sofort zu helfen bereit sind. Aber nicht nur Menschen, sondern auch die Tiere, ja, sogar die Pflanzen stehen einander bei. Ohne diese Eigenschaft wäre das Überleben der jeweiligen Art gefährdet. Wenn wir anderen in Not beistehen, dann erfüllen wir sozusagen unser genetisches Programm. Daher auch das gute Gefühl, wenn wir hilfsbereit handeln. Nun sind wir Menschen in besonderer Weise befähigt, unser Tun zu reflektieren. Wir fühlen und wissen es zugleich, Hilfe zu leisten, tut wohl auch dem, der hilft. Und so ist es kein Zufall, dass nach wie vor die überwiegende Mehrheit der Menschen auch in unserem Land hilfsbereit ist. Ist das nicht gut für uns alle?! Schön, dass uns dies im Gottesdienst durch Konfirmanden in der Oesterbehringer Kirche zwei Wochen vor dem Osterfest bewusst gemacht wurde. Vielen Dank!


Februar 2016
Als ich mit der Gestaltung dieser Seite für das Bürger-Echo fertig war, musste ich feststellen: für den Gedankensplitter bleibt nicht mehr viel Platz! Ich muss mich also beschränken. Das fällt nicht leicht und klingt dazu so negativ. Aber stimmt dieses erste Empfinden? So bringt ein kurzer und knapper Text das Wesentliche besser zur Sprache, er wird verständlicher. //Fernsehkonsum zu beschränken, schenkt Zeit zur aktiven Lebensgestaltung. // Das Auto mal stehen lassen und zu laufen, produziert in uns Glückshormone // Vorfreude ist die schönste Freude – eine durch die Hirnforschung bewiesene alte Weisheit. Einige wenig Beispiele dafür, dass selbst gewählte und bewußte Beschränkung unser Leben reicher macht. Seit dem Aschermittwoch bietet uns die Fastenzeit Gelegenheit, nach solchen Erfahrungen im eigenen Leben zu suchen. Ich bin mir ganz sicher, wir alle können dies erleben. Wir müssen uns nur darauf einlassen. Viel Erfolg !


Januar 2016
Eines Tages kam ein Bekannter zum griechischen Philosophen Sokrates gelaufen. „Höre, Sokrates, ich muss dir berichten, wie dein Freund….“ „Halt ein“ unterbrach ihn der Philosoph. „Hast du das, was du mir sagen willst, durch drei Siebe gesiebt?“ „Drei Siebe? Welche?“ fragte der andere verwundert. „Ja! Drei Siebe! Das erste ist das Sieb der Wahrheit. Hast du das, was du mir berichten willst, geprüft ob es auch wahr ist?“ „Nein, ich hörte es erzählen, und…“ „Nun, so hast du sicher mit dem zweiten Sieb, dem Sieb der Güte, geprüft. Ist das, was du mir erzählen willst – wenn es schon nicht wahr ist – wenigstens gut?“ Der andere zögerte. „Nein, das ist es eigentlich nicht. Im Gegenteil…..“ „Nun“, unterbrach ihn Sokrates. „so wollen wir noch das dritte Sieb nehmen und uns fragen ob es notwendig ist, mir das zu erzählen, was dich so zu erregen scheint.“ „Notwendig gerade nicht….“ „Also“, lächelte der Weise, „wenn das, was du mir eben sagen wolltest, weder wahr noch gut noch notwendig ist, so lass es begraben sein und belaste weder dich noch mich damit.“